Auf die Sekunde genau
Text & Fotos: Michel Pathe, geschrieben 14.10.2008
DMV-250 Meilen Rennen 2008: Bei herrlichem Sonnenschein sitze ich im Führungsfahrzeug der BFGoodrich Langstreckenmeisterschaft. Das Fahrzeug, ein vom Autohaus Kempen in Meckenheim gestellter Audi S5, steht bereits seit über 30 Minuten auf seiner Position in Höhe der Boxenausfahrt.
Am Steuer des 350 PS starken Achtzylinder-Audi, der in einer Fanaktion auf Ring1.de sein orange-weißes Design bekommen hat, sitzt Hans Lehmann. Seit drei Jahren fährt der schon von Kindesbeinen an motorsportbegeisterte 38-jährige Softwareentwickler im Wechsel mit anderen Fahrern das Vorausfahrzeug für die VLN.
Genau 20 Minuten und 20 Sekunden vor dem geplanten Start bekommt Lehmann den Funkbefehl „3 Minuten Schild raus“ vom Starter Bernd Burkhardt, der seit 15 Jahren für den genauen Start der Langstreckenrennen der VLN verantwortlich ist. Mit diesem Funkbefehl wird ein auf die Sekunde genau festgelegter Zeitplan in Gang gesetzt, über den auf dem Beifahrerplatz Constanze Hoffmann wacht. Die seit 1992 vom Nürburgring begeisterte Hoffmann hält in ihren Händen einen genauen Ablaufplan, mit dem sie Hans Lehmann bis zum Ende der Einführungsrunde genaue Instruktionen gibt.

Nachdem das „Helfer Raus“ und „1 Minute“-Schild bereits gezeigt wurden, und die Motoren der Rennfahrzeuge laufen, gibt Starter Burkhardt den Befehl „Losfahren bei 5,4,3,2,1 – los!“ und Lehmann setzt den mit orangen Rundumleuchten versehenen Führungswagen in Gang. Im Schlepptau befinden sich die nahezu 70 Fahrzeuge der ersten von drei Startgruppen der BFGoodrich Langstreckenmeisterschaft.

Uwe Alzen, der mit 8:09 Minuten die Pole Position gefahren hat, lässt immer wieder Abstand und fährt wieder an den Führungswagen heran. Dabei versucht er und die Fahrzeuge hinter ihm, mit Schlangenlinien die Reifen auf Betriebstemperatur zu bringen.
Die Liste, die Constanze Hoffmann in der Hand hält, beinhaltet Streckenabschnitte und die Zeit, zu der diese erreicht sein müssen. Die motorsportbegeisterte 44-jährige fährt – wie auch Hans Lehmann – in Ihrer Freizeit Gleichmäßigkeitsprüfungen auf der Nordschleife, ist den Umgang mit Stoppuhr und Zeitentableau also gewohnt.

Nach 2:30 Minuten verlässt das Führungsfahrzeug den GP-Kurs. Beim Einbiegen auf die Nordschleife weht das Laub über den Asphalt der Eifelachterbahn. Im Streckenabschnitt Hatzenbach haben viele Fans einen interessanten Zuschauerplatz für die Einführungsrunde gefunden und jubeln den Fahrern in ihren Rennwagen sowie Hans Lehmann und Constanze Hoffmann zu. Die wiederum begrüssen jeden der Streckenposten rund um den Ring mit einem kurzen Winken. Die „Familie Langstreckenmeisterschaft“ eben.

So fährt die Startgruppe 1 mit einem durchschnittlichen Tempo von ca. 100 km/h über die altehrwürdige Nordschleife, die Sonne im Schlepptau und ein paar Blätter von den herbstlichen Eifelwäldern in den Kühleröffnungen.
Hunderte Fans begrüssen nach 8:05 Minuten am tiefsten Punkt der Strecke, Breidscheid, das Feld der Fahrzeuge. Das Ganze drei mal im 2 1/2-minütigem Abstand, denn dann folgen die weiteren Startgruppen 2 und 3.

Im Bereich Brünnchen wird es laut. Böller, Raketen und Fanfaren erklingen, als das Coupé in Richtung „Rattersteine“ unterwegs ist. Auch nach mehreren Jahren bekommt Lehmann, der seinen BMW E30 2009 bei den Youngtimern einsetzen möchte und Constanze Hoffmann, die in der GLP in einem 1965er Mustang sitzt, Gänsehaut. Auch der Autor dieser Zeilen kann sich dem nicht erwehren.

Nachdem auch die Streckenabschnitte Pflanzgarten, Schwalbenschwanz und Galgenkopf passiert sind, erlaubt die Döttinger Höhe einen wunderbaren Blick auf die gesamte Startgruppe. Alle Rennwagen fahren nun Schlangenlinien von links nach rechts und wieder zurück. Aus dieser Perspektive ein äußerst interessantes Bild.

Nach 16 Minuten und 15 Sekunden ist die Brücke Antoniusbuche erreicht. Hoffmann hält die gelbe Flagge aus dem Audi, das Feld sammelt sich geordnet hinter dem Führungsfahrzeug. Von der Rückbank des S5 aus scheint es fast so, als könnte ich den hinter uns fahrenden Porsche 997 Turbo berühren, so nah ist das Feld nun hinter dem Audi. Lehmann gibt seine Position dem Starter Burkhardt, einer der dienstältesten VLN-Aktiven, durch, der bittet um eine weitere Durchsage in der Hohenrain-Schikane.

Dort angekommen, hat das Feld die gewünschte Ordnung erreicht. Sehr diszipliniert halten die Fahrer ihre Position ein. Genau 17 Minuten nachdem sich das Feld in Bewegung gesetzt hat, ist es in der Hohenrainschikane angekommen. Der Start steht bevor. Spannung ist im Führungsfahrzeug sprürbar.

Als Hans Lehmann unter Funkkontakt mit Bernd Burkhardt genau 17:20 Minuten nach dem Beginn der Einführungsrunde in die Boxenstrasse eingebiegt und Constanze Hoffmann dabei die gelbe Flagge wieder einholt, starten die Porsche, Aston Martin, Lamborghini und BMW durch in Richtung Mercedes-Arena. Der Start glückt perfekt. Auf die Sekunde genau werden alle drei Startgruppen von „Ihren“ Führungsfahrzeugen „auf die Reise“ geschickt. Sowohl der Starter, als auch die Fahrer der Vorausfahrzeuge können stolz auf sich sein, haben ihren Baustein zum Erfolg der Langstreckenemeisterschaft beigetragen.

Text & Fotos: Michel Pathe
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